allevier
papierkram
schwarz lang
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schwarz superkurz
schwarz superkurz
eins
drei

die auserwählten

nachdem wir von unserer persönlichen kommunikations- und interviewtrainerin in weimar die wichtigsten regeln zum durchführen von telefoninterviews, die feinheiten der stimm-modulation und etliche kniffe zum überleben im offenen telefonlabor eingebläut bekommen haben, packen wir die koffer für die schöne stadt. dort angekommen, erwächst das callcenter in rekordzeit, die unsichtbare technik hingegen spielt ihre tücken bis ganz zuletzt aus. so werden schon beim aufbau retter und heldinnen gesichtet – und etliche mäzenatische verhaltensweisen zu protokoll genommen. in letzter minute ist die internetverbindung halbwegs stabil, die headsets sind eingepegelt und alle kunstmarktfallen beseitigt. dennoch verzichten wir vor dienstbeginn auf die empfohlenen gurgelübungen und das kopfkreisen im schaufenster. stattdessen betreten wir allmorgendlich den grauen bannkreis mit frisch gefüllten thermosflaschen.

währendder voice-over-ip-client die ersten nummern des tages anwählt, istim raum nur leises räuspern und das rascheln von notizzetteln zuvernehmen. kurz darauf jedoch verwirren sich unsere stimmen zu einemundurchdringlichen geflecht aus höflichen kontaktaufnahme-floskeln,terminvereinbarungsabsprachen und enthusiastisch artikulierterfragebogendramaturgie. die reaktionen sind überraschend positiv: eingroßteil der angesprochenen „personen, deren arbeitsbereicheberührungspunkte mit der kunstförderung aufweisen“, legt echtesinteresse an den tag und bemüht sich, konstruktive antworten auf dieoffenen fragen zu finden. die finger der telefonistinnen flitzen überpapierbögen und tastaturen, je nach anschlagdynamik bebt häufig derganze tisch.

während die zielpersonen um formulierungen ringen oder, von der neuen frage kalt erwischt, nach einer positionierung suchen, tönt unter den kopfhörern das laut gedachte hervor und findet nicht selten den weg in unsere skizzenbücher: handschriftliche notizen, kryptische zeichen und einige krakelige telefonzeichnungen verbleiben als ausfüllhilfe für die interviewformulare, aber auch als eine art labortagebuch auf unseren tischvierteln. am fünften arbeitstag, zum ersten mal pünktlich nachmittags um fünf, beenden wir nachdenklich und eigentlich noch voller fragelust das telefonritual. was bleibt, sind kreisförmige kaffeeflecken auf weißer tischplatte, pinke haftnotizen an kreuzförmiger trennwand und eine statistische auswertung der dreihundertzwanzig gewählten nummern. stellt sich nun die frage, ob wir die gewonnenen antworten in diagramme und zahlenkolonnen pressen oder uns einfach mal zu wahrer malkunst inspirieren lassen, die wir statt der ernüchternden fakten in kleinen häppchen an unsere gesprächspartner senden. zum vorzugspreis, versteht sich.

 

 

messegelände :: die auserwählten

08.04. bis 30.04.2011 :: ausstellung
11.04. bis 15.04.2011 :: performance

dieschönestadt
am steintor 19
06112 halle an der saale

talkin' 'bout an institution

ifat – institute for artificial transformation
institut für wahre kunst
u.a.

28.04.2011 :: 20 uhr
dieschönestadt

 

die auserwählten

eine performance im rahmen der ausstellung messegelände

:: anna gänßler :: saskia göldner ::
:: elke jänicke  :: lysann németh :: 

es schadet einer künstlerin überhaupt nicht, nebenbei bodenständiger erwerbsarbeit nachzugehen – das holt sie und ihre werke zurück in die wirklichkeit! das leben am unteren rand des existenzminimums fordert künstler zu mehr kreativität heraus, denn not macht erfinderisch! wer es bis zum 35. lebens-jahr nicht geschafft hat, von seiner kunst zu leben, sollte sich einen anderen beruf suchen! wer als künstler nicht über vermarktungstalent und manager-fähigkeiten verfügt, hat auf dem kunstmarkt zu recht keine chance! cut. vier künstlerinnen, mindestens doppelt so viele lebensentwürfe, unermesslich viele ideen und kein geld.

raus aus der opferrolle. ran an die strippe. wir wollen wissen, was die damen und herren aus der kunstgönnerbranche eigentlich von diesen geschichten halten. wir finden altruismus spitze, aber im märchenwald bringt er uns natürlich gar nichts. liebe kunstliebhaberinnen und kunstliebhaber, liebe anonyme großspenderinnen und großspender, geht ans telefon und beantwortet uns wenigstens eine frage: was versteht ihr eigentlich unter einem mäzen?

noch immer besteht die illusion, der wahre künstler könne von luft und liebe leben und ganz nebenbei würden die späne des genies wie goldstaub auf die kunstspielwiese rieseln. noch immer wird vor allem malerei gefördert. wer protegiert denn schon telefonkunst? genug geträumt. wir gehen dem ursprung dieses trugbildes auf den grund und suchen dort nach der nadel im heuhaufen.

messegelände :: die auserwählten

08.04. bis 30.04.2011 :: ausstellung
11.04. bis 15.04.2011 :: performance

dieschönestadt
am steintor 19
06112 halle an der saale